Tuesday, July 12, 2022

Bildung und Freiheit (Teil 2) - Im Gespräch mit Institutsdirektor und Bildungsschriftsteller Horst Költze - von Maria Teresa De Donato

Bildung und Freiheit (Teil 2)

Im Gespräch mit

Institutsdirektor und Bildungsschriftsteller Horst Költze

von Maria Teresa De Donato



 

Heute freue ich mich sehr, wieder meinen lieben Freund, den Institutsdirektor und Bildungsschriftsteller Horst Költze zu Gast zu haben.  1932 in Pommern geboren und 1945 vor dem Einmarsch der Roten Armee geflohen, hat Horst Költze der Lehre “sein Leben gewidmet und mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen Konzepte wie   Lernen in Freiheit„ ,  “Lernen und Bewusstsein„ hervorgehoben.

Im ersten Teil unseres Interviews haben wir auf sein Leben und seinen Werdegang als Lehrer, aber auch als Rektor und Institutsdirektor einen Blick geworfen und uns mit seinen ersten Veröffentlichungen beschäftigt. Heute werden wir uns auf die anderen konzentrieren, indem wir dieses faszinierende Gespräch über die Welt des Lehrens und Lernens fortsetzen.

 

MTDD: Lieber Horst, herzlich willkommen in meinem virtuellen Kultursalon.

Es ist mir eine Freude, Dich wieder als meinen Gast zu haben.

 

HK: Auch ich freue mich, Liebe Maria Teresa, dass Du mir in Deinem Kultursalon Gelegenheit gibst, die evolutionäre, global bedeutsame Bildungs-Botschaft vertieft darzustellen. 

 

MTDD: Horst, die Liste Deiner Veröffentlichungen ist sehr lang und würde zahlreiche Interviews erfordern, um Zeit zu haben, die Inhalte vollständig zu vertiefen. Ich habe daher daran gedacht, mich mit Dir auf einige von ihnen zu konzentrieren.

Ich möchte von der Anthropologisch orientierte Lehrerausbildung (1981) ausgehen.

“In diesem Buch geht es darum, die Lehrer*Innenbildung durch Implementierung eines Trainingsseminars in die Referendar-Phase auf die Persönlichkeitsbildung zu fokussieren, im Gegensatz zur Fachsozialisation der Studienphase. Anthropologisches Fundament ist die Definition des SELBST nach Søren Kierkegaard.”

Kannst Du für diejenigen, die mit Pädagogik oder Philosophie nicht vertraut sind, erklären, wer Kierkegaard war und was seine Sicht des SELBST war?

HK: Sören Kierkegaard hat von 1813 bis zu seinem Tode 1855 in Kopenhagen gelebt. Er war Theologe und Philosoph. Man nennt ihn den Sokrates des Nordens. Kierkegaard ist der führende dänische Philosoph und Begründer Existenzphilosophie. Als Beginn der Existenzphilosophie wird der Tagebucheintrag vom 1. August 1835 verstanden: Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was die Gottheit eigentlich will, das ich tun solle; es gilt eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich ist, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.„

Im Zentrum der Existenzphilosophie steht der Mensch als authentisches Wesen, als ein SELBST mit Geisteszuständen wie Liebe, Angst, Verzweiflung. Das SELBST versteht Kierkegaard als verantwortliches, freies, sich selbst entwerfendes und nicht als festgelegtes Wesen.

In SELBST-Konfrontation hat Kierkegaard das Phänomen “Verzweiflung„ analysiert. Ergebnis ist eine Struktur-Definition des SELBST, die er in seinem Essay “Die Krankheit zum Tode„ darstellt.

Ich zitiere; “Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält. … Das Verhältnis ist nicht das Selbst, sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält.„

Das anthropologische Ur-Phänomen der ´Re-Repräsentation` ist mit der Erkenntnis “dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält„ eindeutig definiert.

Kierkegaard versteht das SELBST als ein dynamisches System aus drei Verhältnissen.

In meinen Schriften veranschauliche ich dieses System als “Anatomie des SELBST„. Die drei Verhältnisse in Kierkegaards Definition stelle ich als psychosomatische, als dialogische und als Sinn-Dimension dar.

 

MTDD: Wie hat Deine Publikation versucht, dieses Material für Bildungszwecke nutzbar zu machen?

HK: Kierkegaards Erkenntnis des SELBST als Struktur dreier relationaler Dimensionen legitimiert das SELBST als Basis eines jeden Bildungsprozesses, dessen Bildungs-Ziel SELBST-Regulation ist.

Grundlage eines solchen Bildungsprozesses ist das ontische Menschenbild mit der Geist-Struktur des SELBST, die zur Konstitution eines jeden Menschen gehört.

So wie jeder Mensch des Planeten Erde mit der gleichen Körper-Struktur aus Kopf, Rumpf, Armen und Beinen ausgestattet ist, so ist jeder Mensch mit der Geist-Struktur aus psychosomatischer, dialogischer und Sinn-Dimension ausgestattet.

Diese Erkenntnis ist evident. Mit introspektiver SELBST-Reflexion ist  der Mensch befähigt, die psychosomatische Dimension, die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele, in sich selbst zu erkennen.

Die dialogische Dimension erlebt der Mensch, sobald er ein Bewusstsein für seine inneren Vorgänge entwickelt. Dann wird ihm bewusst, wie er sich in einem inneren Dialog zwischen JA oder NEIN entscheidet. 

Die Sinn-Dimension erlebt der Mensch, wenn ihm bewusst ist, dass er seine Entscheidung mit seiner Antwort auf die Frage „was Sinn macht“ begründet. Der Sinn-Faktor ist sein Entscheidungs-Faktor.

Aus diesem konstitutionellen anthropologischen Ur-Phänomen resultiert, dass das SELBST die Basis des Bildungsprozesses ist.

 

MTDD: Eine weitere Veröffentlichung von Dir ist Der Bildungsmissbrauch – Oder: Wofür schlägt dein Herz? Mutter! Vater!

“Diese Streitschrift ist ein Aufruf der Elternschaft, die entwürdigende Funktionalisierung ihrer Kinder durch die PISA-Output-Bildung nicht mehr zu tolerieren, in der sie Lernprodukte für internationales Ranking der Bildungs-Planwirtschaft liefern müssen.”

Kannst Du, bitte, das Konzept der ‘Bildungs-Planwirtschaft’ erläutern?

HK: Das Konzept der ‘Bildungs-Planwirtschaft’ basiert auf standardisierten Lernprodukten.

SchülerInnen-Köpfe müssen Lernprodukte in vorgeschriebenen Zeiteinheiten liefern, die der Passung sog. Bildungs-Standards entsprechen.

Die Lernprodukte werden für die empirische Auswertung mit Kennziffern eines Qualitätsmaßstabes markiert. Der Qualitätsmaßstab ist von der ökonomischen Verwertbarkeit im Arbeits- und Wirtschaftsprozess abgeleitet.

SchülerInnen-Köpfe und LehrerInnen werden in der Bildungs-Planwirtschaft wie Module programmiert.

Das technokratische Instrument, dass zur Lieferung der verordneten Lernprodukte motiviert, ist ein oberster Rankingplatz in der PISA-Studie, die die Bildung der jungen Generation in 79 Staaten der Erde wie ein Krake im Griff hat.

Die pathologischen Folgen der ‘Bildungs-Planwirtschaft’ hat eine Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zutage gefördert:

55% der Schulkinder klagen über Kopfschmerzen, 51% über Bauchschmerzen, 43% über Rückenschmerzen, 35% haben Schlafstörungen. 70% der Achtklässler trinken Energydrinks, bei den Zehntklässlern sind es 84%. „Schulangst“ ist ein Standardthema. Als Ursache für diese Schulangst wird vor allem das Leistungs- und Konkurrenzprinzip der Schule festgestellt.

 

MTDD: Diese Arbeit von Dir hat meiner Meinung nach einen besonders edlen Zweck. Es stellt sich jedoch die Frage, wie wir dieses Bedürfnis mit der Tatsache in Einklang bringen können, dass Eltern leider nicht immer vorbereitet, gebildet und sich dieser Realitäten und Dynamiken bewusst sind, sondern im Gegenteil dazu neigen, sich fast blind anzuvertrauen genau der Schule die Aufgabe übertragen, Programme auszuwählen und ihre Kinder zu erziehen?

HK:  Ja, das ist die Lage der Mütter und Väter, die Du treffend kennzeichnest.

Diese Bewusstseinslage hat mich motiviert, mehrere Bücher für Eltern zu schreiben, unter Titeln, die wachrütteln könnten, wie der Untertitel “Wofür schlägt dein Herz? Mutter! Vater!„ oder: “Wer stoppt die PISA-Walze?„, “Eltern wissen das nicht„,         “Die andere Bildung„, “Der Bildungs-Kompass für Eltern - Eine Streitschrift zur Überwindung der Bildungsdiktatur„.

Neben Unkenntnis ist ein weiterer Hinderungsgrund die Berufsarbeit, die Mütter und Väter auspowert. Nach einem stressigen Arbeitstag haben sie keine Kraft mehr, sich um Schulbildung zu kümmern.

Trotzdem sollte nichts unversucht bleiben, mit interessierten Müttern und Vätern über das Thema „Bildung und Freiheit“ ins Gespräch zu kommen.

 

MTDD: Dein Essay “Der Evolutionsgeist transformiert das Bildungs-Bewusstsein„ ebt einen sehr interessanten Aspekt hervor, nämlich die Dominanz männlicher Denkstrukturen in der Bildung. Dieses negative Element an sich schft schlimme Probleme, wie die niedrigere Bildungsquote von Frauen und ihre niedrigere Bezahlung als ihre männlichen Kollegen.

Lass uns also bei dem anfangen, was die Wurzel des Problems zu sein scheint: Schulbildung für Jungen.

HK: Die seit Jahrtausenden herrschende patriarchale Dominanz ist nach meiner subjektiven Einschätzung fundamental durch das Menschen- und Lebensverständnis verursacht.

Der griechische Universalgelehrte, einer der einflussreichsten Philosophen und Naturforscher der Geschichte, Aristoteles, z. B. formulierte sein Verständnis der Frau so:  "Ein Weibchen ist wie ein verkrüppeltes Männchen.“

Aus solcher Geisteshaltung resultiert die Fixierung patriarchaler, das weibliche Potential ablehnender Denkmuster im morphischen Unbewussten der Männerwelt.

Die erste Grundbedingung einer Wandlung solcher destruktiven Denkmuster ist die Selbsterkenntnis der “Patriarchen„, dass zur Vollständigkeit ihres Mensch-Seins auch ihre eigenen weiblichen Potentiale gehören, wie z. B. Empfangen, Intuition, Hingabe und Loslassen.

Die zweite Grundbedingung ist die Würdigung und Akzeptanz des weiblichen Potentials ihres Herz- und Bauchgehirns, das durch Impulse ihrer Intuition wirkt.

Sobald die “patriarchalen„ Entscheidungsträger der Schulbildung erkennen, wie die Ignoranz des weiblichen Potentials ihr Mensch-Sein restringiert, verfügen sie über die Option, es in ihren virtuellen Kosmos zu integrieren. Sind sie zu diesem Wandel bereit, werden sie auch in der Schulbildung die Integration des weiblichen Potentials in den Bildungsprozess fordern und fördern.

 

MTDD: Das Symbol des Tao-Brunnens repräsentiert die perfekte Integration zwischen männlichen und weiblichen Eigenschaften und die Harmonie, die Gegensätze schaffen.

Warum hat sich Deiner Meinung nach dieses Grundkonzept in der östlichen Welt entwickelt, aber nicht in der westlichen?

HK: In der östlichen Welt basiert das Lebensverständnis auf dem Prinzip der Polarität in der Einheit. Die Gegensatzpaare Yin und Yang symbolisieren die ganzheitliche Harmonie der Gegensätze, z. B. Himmel und Erde, Tag und Nacht, Ebbe und Flut. Die chinesische Philosophie besagt: Es gibt immer zwei entgegengesetzte Kräfte, die miteinander im Einklang stehen. Dieses Phänomen ist evident und hat hohe Überzeugungskraft.

Der westliche Dualismus basiert besonders auf der Philosophie der griechischen Antike.  Die Philosophen Sokrates, Plato und Aristoteles haben sich von der griechischen Götterwelt emanzipiert.

Ihre Emanzipation ist nach meiner Einschätzung psychologisch-politisch begründet. Nachdem Athen den Peloponnesischen Krieg verloren hatte, war der Glaube der Athener an ihre Götter erschüttert. Sie hatten ihnen nicht geholfen zu siegen. Das hohe Selbstbewusstsein der Athener als größte, führende Polis der griechischen Welt war zerstört.

Sokrates, der selbst am Krieg teilgenommen hatte, hatte erkannt: das Selbstbewusstsein der Athener ist nur wieder aufzubauen, wenn die Athener lernen, dass sie die Wahrheit in sich selbst finden können. Dafür setzte er sich ein. Seine Fragekunst wurde als ´Hebammenkunst` weltbekannt.

Aus dieser geistigen Situation folgte, dass weder Götter noch Emotionen den Weg weisen, sondern nur die Vernunft. Die Werke der großen griechischen Denker Plato und Aristoteles wurden fundamental für westliches Lebensverständnis und Wissenschaft.

 

MTDD: In der Diskussion Deiner Veröffentlichung stellst Du fest der junge Mensch als Schüler*Innen-Material instrumentalisiert wird für die Interessen der Mächtigen in Politik und Wirtschaft. Lernprodukte haben für Bildungsminister*Innen höchste Priorität, nicht der werdende junge Mensch.  Der Schüler*Innen-Mensch zählt nur als Schularbeiter, der Lernprodukte für Schulrankings erarbeiten muss.”

 

Das von Deinen geäußerte Konzept ist sehr klar, auch wenn es Du erschaudern lässt, weil es deutlich macht, dass Bildungssystemen nicht nur das weibliche Prinzip und damit Aspekte wie Kooperation, Empathie und die Stimme des Herzens fehlen. In Wirklichkeit erleben wir eine totale Standardisierung und eine vollständige Unterdrückung der Vorstellungskraft und Kreativität des Einzelnen von klein auf.

Wie kommen wir aus dieser Situation heraus?

HK: Maßgebliche Impulse gehen, wie schon ausgeführt, vom Bewusstseinswandel patriarchaler Entscheidungsträger aus.

Sobald Patriarchen und Mütter und Väter erkennen, dass die Ignoranz des weiblichen Potentials ihr eigenes Mensch-Sein restringiert, ökonomisch-kreatives Wachstum behindert und den Bestand unserer demokratischen Gesellschaft gefährdet, werden sie bestrebt sein, die Entwicklung des Herz- und Bauchgehirns in die Schulbildung integrieren.

Um einen solchen Bewusstseinswandel zu bewirken, müssten Aktionen auf  mehreren Handlungsebenen erfolgen:

-         Bei jeder sich bietenden Gelegenheit bewusst gemacht werden, dass Schule ein “ambulantes Schulgefängnis„ ist, in dem Kinder ähnlich wie Ratten in der Skinner-Box mit Belohnung, mit guten Zensuren, und mit Bestrafung, mit schlechten Zensuren, auf Anpassung konditioniert werden.

-         Es gilt, Eltern zu motivieren, die psychosomatischen Symptome ihrer Kinder ernst zu nehmen. Also Bauchschmerzen und Kopfschmerzen als Signale zu verstehen, die auf das Leiden ihrer Kinder in der Schule hinweisen.

-         Es sollten Vorträge über das Thema „Bildung und Freiheit“ organisiert werden, als Gelegenheit, Gleichgesinnte zusammen zu führen, die sich für Aktionen solidarisieren.

 

-         Vor allem müssten Journalistinnen/Journalisten motiviert werden, in Elternzeitschriften das Thema “Bildung und Freiheit„ als fortlaufende Kolumne zu erörtern.

 

-         Und nicht ignorieren ist, Kontakt zu den Entscheidungsträgern aufzunehmen und im kontinuierlichen Dialog über Bildungswert und Bildungs-Grundlagen den Mangel zu thematisieren, der der Gesellschaft durch Ignoranz des Herz- und Bauchgehirns entsteht.

 

MTDD: Du wendest Dich mit dieser Publikation auch und vor allem an Eltern. Was kann und muss getan werden, um Eltern aufzuklären und sie für diesen Prozess zu sensibilisieren und einzubeziehen, damit sie ihren Kindern helfen können, ihr volles geistiges und kreatives Potenzial zu entwickeln, das die Schule zu behindern scheint?

HK: Wie soeben ausgeführt, wird die unkritische Masse der Eltern über öffentliche Medien erreicht. Hier sind kritische Bildungs-Journalisten gefragt, die die Auswirkungen der funktionalistisch-ökonomisierten Schulbildung auf ihre Kinder und auf die Gesellschaft verständlich darstellen.

Schlagzeilen in Boulevard-Blättern und in renommierten, einflussreichen                             Tageszeitungen über vernachlässigte, nicht ausgeschöpfte Ressourcen der jungen Generation könnten dieses gesellschaftlich bedeutsame Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen.

 

MTDD: In der Pädagogik der Selbst-Genese beziehen Sie sich auf das re-repräsentative ontische SELBST im Sinne des Existenzphilosophen Søren Kierkegaards, das im Laufe der Bewusstseinszeitalter der Menschheit vom Evolutionsgeist entwickelt ist.

Kannst Du, bitte, diesen Gedanken ausarbeiten?

HK: Das re-repräsentative ontische Selbst im Sinne Kierkegaards ist die Basis der SELBST-Genese.

Die virtuelle Konstitution des ontischen SELBST ist, wie schon ausgeführt,  an seiner Anatomie erkennbar, die aus der psychosomatischen, der dialogischen und der Sinn-Dimension besteht.

Diese Struktur ist von jedem Menschen in Ost und West durch Introspektion in sich selbst erlebbar und erkennbar. Dadurch ist die Konstitution des ontischen SELBST ebenso evident wie die physische Körperstruktur aus Kopf und Rumpf, Armen und Beinen, mit der jeder Mensch in Ost und West ausgestattet ist.

Kierkegaard hat diese virtuelle Anatomie des SELBST durch Selbstkonfrontation in der Analyse des psychischen Zustandes ´Verzweiflung` erkannt und in seinem Essay “Die Krankheit zum Tode„ dargestellt.

Die kulturübergreifende Evidenz der Anatomie des SELBST legitimiert das ontische SELBST als Basis einer Pädagogik der SELBST-Genese.

Die dialogische und die Sinn-Dimension sind Grundbedingungen der Re-repräsentation im Prozess der SELBST-Regulation.

Schauen wir uns diesen kognitiven Vorgang einmal an, so erkennen wir folgende Phasen:

-         Ein Mensch wird durch einen materialen bzw. mentalen Impuls stimuliert,

-         er hält inne,

-         er reflektiert, wie er reagieren will,

-         er antizipiert die Folgen seiner imaginierten Reaktion,

-         er entscheidet sich aufgrund seiner Überzeugung, die vom Sinnfaktor mit der Qualität geistiger Kohärenz geprägt ist.

 

Der Begründer der Logotherapie, Victor Frankl, hat für diesen kognitiven Vorgang den virtuellen Intervallraum als Grundbedingung erkannt, der den Homo sapiens als Menschen auszeichnet:

 

„Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

 

In diesem re-repräsentativen Bewusstseinsakt ist sich der Mensch bewusst, dass er die Person ist, die diese virtuellen Phasen vollzieht; er schaut sich selbst dabei zu, als stünde er auf einer inneren Bühne sich selbst gegenüber – er re-präsentiert sich selbst.

Diese Fähigkeit des Homo sapiens hat der Evolutionsgeist in der Abfolge der Bewusstseinszeitalter der Menschheitsgeschichte entwickelt.

Mit dieser Fähigkeit zur SELBST-Regulation hat der Homo sapiens die Option, seinen inneren Kosmos und seine Umwelt als Co-Kreator des Evolutionsgeistes in Verantwortung vor sich selbst, vor seinen Mitmenschen und vor Mutter Natur mitzugestalten.

Die Quantenmechanik hat die Wirkmächtigkeit des Gedankenpotentials erkannt:

die geistigen Energien des Menschen resonieren mit dem Potential des Quantenfeldes, mit dem ´Meer der unerschöpflichen Möglichkeiten`, und kreieren materiale Realität.

 

MTDD: In Deiner neuesten Publikation Schule im Bildungs-Beben (2021) untersuchst Du Bildung im digitalen Zeitalter. Darin hebt er einige sehr interessante Aspekte hervor, wie Selbstregulierung und Mitschöpfer der eigenen Realität, der eigenen Welt zu werden. Diese Aspekte stehen jedoch einer ökonomisierten und funktionalistischen und damit undemokratischen Bildung entgegen.

Deine Publikation bietet offenbar eine “würdevolle und humane Alternative”.

Möchtest Du darüber reden?

HK: Es ist offenkundig:

Die Menschheit befindet sich in einem fundamentalen, evolutionären Wandlungsprozess, im Übergang vom mentalen zum integralen Bewussteinszeitalter. Prinzipien bisheriger Denk- und Handlungsmuster verlieren während dieser Entwicklungsphase ihre Wirkmächtigkeit. Das Konkurrenzprinzip weicht dem Kooperationsprinzip; das Egomanentum dem Teamgeist; die patriarchale Dominanz dem integralen Wirken des weiblichen und männlichen Potentials.

In diesem Umbruch wird die unwürdige funktionalistische Bildung der jungen Generation abgelöst von artgerechter Menschenbildung mit dem Fokus auf SELBST-Regulation. Grundbedingung artgerechter Menschenbildung ist die Ausstattung des Homo sapiens mit dem virtuellen Intervallraum zur SELBST-Genese. Als Parameter der Zielorientierung gilt künftig die Sinnorientierung an einer Geisteshaltung, die kohäsive Balance im organismischen und im virtuellen inneren Kosmos des Homo sapiens fördert.

In solchem Bildungsprozess des integralen Bewusstseinszeitalters entwickelt der Homo sapiens seine co-kreativen Potentiale, resoniert mit dem Potential des Quantenfeldes und erschafft seine Welt mit nachhaltiger menschenwürdiger Lebensqualität.

Die gegenwärtige undemokratische Bildung der jungen Generation durch Perfektionierung der ökonomisch orientierten Bildungs-Planwirtschaft mit Ausbeutung des kognitiven Hirnpotentials der jungen Generation produziert Wirkungen, die der Agonie einer letzten Lebensphase ähneln. Darauf deuten die wegen Schulstress steigenden Zahlen der Patienten in Kinderarztpraxen hin. Ebenso die wachsende Zahl der Schulverweigerer, die aus dem Schulpflicht-System aussteigen, genauso wie die Millionen ´Flachlieger` in China sich gegen den steigenden Leistungsdruck wehren und ihren eigenen Weg zu sich selbst suchen.

Trotz Perfektionierung werden die Prinzipien der Bildungs-Planwirtschaft auf Dauer ihre Überzeugungskraft verlieren, ebenso wie von der Evolution überholte Denkmuster, die nicht vom Geist der Liebe und der Wahrhaftigkeit erfüllt waren. Der Evolutionsgeist mit seiner teleologischen Dynamik ist nicht aufzuhalten.

 

MTDD: Vielen Dank, Horst, für diese beiden sehr interessanten Interviews. Die Themen, mit denen Du Dich befasst hast, sind zahlreich und gleichermaßen tiefgreifend und würden viel mehr Zeit verdienen, um untersucht zu werden.

Wie können diejenigen, die mit Dir Kontakt aufnehmen möchten – egal ob Schüler, Eltern und/oder Lehrkräfte aller Stufen – das tun und Deine Publikationen bestellen?

HK:

-         Kontakt zu mir ist möglich über meine Homepage unter dem Titel WER ICH BIN

-         Meine Bücher sind lieferbar über jede Internet-Buchhandlung und auch über Buchhandlungen vor Ort.

-    Meine Essays sind veröffentlicht bei

 

° https://faszinationmensch.wordpress.com

            ° https://guteschule.eu

Sie sind kostenlos herunterladbar.

 

MTDD: Nochmals vielen Dank, dass Du mein Gast bist. Es war mir eine Ehre.

HK: Auch ich danke Dir, Liebe Maria Teresa, für Deine Einladung. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du das Thema BILDUNG UND FREIHEIT in Deinen Kultursalon aufgenommen und damit eine breite Öffentlichkeit über das menschenwürdige Konzept “Artgerechte Menschenbildung„ informiert hast.



 

Wednesday, July 6, 2022

“The accident” - Review by Maria Teresa De Donato

 “The accident” by Maria Cristina Buoso

Review by Maria Teresa De Donato



 

After having entertained us with Murder at the Magnolia Condominium and, above all, with Vernissage, the latter set in the fascinating world of Art, and precisely of Painting, with this new thriller entitled The accident Maria Cristina Buoso catapults us – using once again one of her key characters, the Chief Inspector Ginevra Lorenzi, now become Inspector Superior – in the intriguing world of the Paranormal, that is, of everything that “goes beyond logic” (Buoso, 2022, p. 167)

A car accident of which he is the victim leads Alberto, one of the protagonists of this thriller, to live a near-death experience and become an eyewitness to a crime. Near-death, out-of-body experiences, contacts with the afterlife, and astral travel are, therefore, the fundamental and equally intriguing aspects of this publication, as is the analysis of the “worm that previously gnawed at his thoughts ... [that] ... one was made even more insistent ... [and it had] triggered a chain mechanism ...” (Buoso, 2022, pp. 149, 157)

Also, the focal point of this thriller is not the identification of the culprit, an aspect that emerges very soon, but rather the reconstruction of the facts and the consequent collection of evidence by the investigators to be able to nail him and thus do justice to his victims.

Although the American colleagues, when the case requires it, use mediums and psychics in their investigations, the Italian investigators have great difficulty believing that the spiritual world is as accurate and valid as the material/physical one. Not only that, but what is even more problematic, is the awareness on their part that however tangible and irrefutable the evidence they receive may be, this methodology used can never be mentioned, much less officially presented to the authorities in charge.

The language, direct and immediate, leads to a quick reading and, together with the regular alternation of scenes and settings, creates suspense, thrilling the reader and forcing them to get to the end of the story without interruption.

A fascinating and enjoyable thriller to be read in one breath and which, for its language and content, I recommend to an adult audience.


 

 

“L’incidente” - Recensione di Maria Teresa De Donato

 “L’incidente” di Maria Cristina Buoso

Recensione di Maria Teresa De Donato

 



Dopo averci intrattenuti con Delitto al condominio Magnolia e, soprattutto con Vernissage, quest’ultimo ambientato nell’affascinante mondo dell’Arte, e precisamente della Pittura, con questo suo nuovo thriller intitolato L’incidente Maria Cristina Buoso ci catapulta – servendosi ancora una volta di uno dei suoi personaggi-chiave, l’Ispettore Capo Ginevra Lorenzi, ora diventato Ispettore Superiore – nell’intrigante mondo del Paranormale, ossia di tutto quello che “va oltre la logica” (Buoso, 2022, p. 167)

Un incidente automobilistico di cui è vittima, porta Alberto, uno dei protagonisti di questo thriller, a vivere un’esperienza di premorte e a diventare testimone oculare di un delitto.  Premorte, esperienze extracorporee, contatti con l’aldilà e viaggi astrali sono, quindi, gli aspetti fondamentali ed altrettanto intriganti di questa pubblicazione, così come lo è l’analisi del “tarlo che prima rodeva i suoi pensieri … [che] … si era fatto ancora più insistente  … [ed aveva] innescato un meccanismo a catena…” (Buoso, 2022, pp.149, 157)

Punto focale anche di questo thriller non è l’identificazione del colpevole, aspetto che emerge molto presto, ma piuttosto la ricostruzione dei fatti e la conseguente raccolta delle prove da parte degli inquirenti per poterlo inchiodare e rendere così giustizia alle sue vittime.

Benché i colleghi americani, quando il caso lo richiede, si avvalgano di medium e sensitivi nelle loro indagini, gli inquirenti italiani hanno grosse difficoltà a credere che il mondo spirituale sia altrettanto reale e valido di quello materiale/fisico. Non solo, ma, cosa ancora più problematica, è la consapevolezza da parte loro che, per quanto tangibili ed irrefutabili possano essere le prove cui perverranno, tale metodologia utilizzata non potrà mai essere menzionata, né tantomeno presentata ufficialmente alle autorità preposte.  

Il linguaggio, diretto ed immediato, spinge ad una lettura veloce ed insieme all’alternarsi regolare delle scene e delle ambientazioni crea suspense appassionando il lettore e constringendolo ad arrivare alla fine della storia senza interruzioni. 

Un thriller affascinante e piacevole, da leggere tutto d’un fiato e che, per linguaggio e contenuto, consiglio ad un pubblico adulto.

 



“Der Unfall” - Rezension von Maria Teresa De Donato

 “Der Unfall” von Maria Cristina Buoso

Rezension von Maria Teresa De Donato



 

Nachdem wir uns mit Mord im Condominium Magnolia und vor allem mit Vernissage unterhalten haben, die in die faszinierende Welt der Kunst und gerade der Malerei versetzt wurde, katapultiert uns dieser neue Thriller mit dem Titel Der Unfall von Maria Cristina Buoso – wieder einmal von einem einer ihrer Schlüsselfiguren, die Chief Inspector Ginevra Lorenzi, wird nun Inspector Superior – in der faszinierenden Welt des Paranormalen, also all dessen, was “über die Logik hinausgeht” (Buoso, 2022, S. 167)

Ein Autounfall, dessen Opfer er ist, führt Alberto, einen der Protagonisten dieses Thrillers, zu einer Nahtoderfahrung und wird Augenzeuge eines Verbrechens. Nahtod, Astralreisen, Jenseitskontakte und Astralreisen sind daher ebenso grundlegende wie faszinierende Aspekte dieser Publikation, wie die Analyse des “Wurms, der zuvor an seinen Gedanken nagte ... [ dass] … man noch eindringlicher gemacht wurde … [und es hatte] einen Kettenmechanismus ausgelöst …” (Buoso, 2022, S. 149, 157)

Auch bei diesem Thriller steht nicht die Täteridentifizierung im Mittelpunkt, ein Aspekt, der sich sehr bald herauskristallisiert, sondern vielmehr die Rekonstruktion des Sachverhalts und die konsequente Beweisaufnahme durch die Ermittler, um ihn dingfest machen und damit zu seinen Opfern Gerechtigkeit üben zu können.

Obwohl die amerikanischen Kollegen, wenn es der Fall erfordert, bei ihren Ermittlungen Medien und Hellseher einsetzen, haben die italienischen Ermittler große Schwierigkeiten zu glauben, dass die geistige Welt genauso real und gültig ist wie die materielle/physische. Nicht nur das, was noch problematischer ist, ist das Bewusstsein ihrerseits, dass, so greifbar und unwiderlegbar die erhaltenen Beweise auch sein mögen, diese angewandte Methode niemals erwähnt, geschweige denn den zuständigen Behörden offiziell vorgelegt werden kann.

Die Sprache, direkt und unmittelbar, führt zu einem schnellen Lesen und schafft zusammen mit dem regelmäßigen Wechsel von Szenen und Einstellungen Spannung, die den Leser fesselt und ihn zwingt, ohne Unterbrechung zum Ende der Geschichte zu gelangen.

Ein spannender und vergnüglicher Thriller, den man in einem Atemzug lesen kann und den ich sprachlich und inhaltlich einem erwachsenen Publikum ans Herz legen möchte.




Monday, July 4, 2022

Adam Adolphe-Charles


A prolific author of compositions for opera and ballet, he is famous for the ballets Giselle (1844) and Le Corsaire (1856), the operas Le postillon de Lonjumeau (1836) and Les Toréadors (also known as Le toréador ou L'accord parfait (1849), as well as the Christmas song Minuit chrétiens (1847).
Adolphe-Charles Adam was the son of Johann Ludwig, a piano professor at the Paris Conservatory. His parents did not initially destine him to study music. Still, he was sent very young to a pension in Belleville to begin his literary studies. For several years he attended the "Napoleon" high school. During this period, he secretly attended, against his father's will, to his composer friend Ferdinand Hérold, learning the basics of music.

Little fond of studying, he made little progress and did not go beyond the fourth grade. Even the teacher complained about him. Behind his insistent and repeated requests, his father finally agreed to withdraw him from boarding school and grant him a music teacher, as long as composition remained for him only a hobby and not a profession.

A musician by instinct, it seemed easier to guess the mechanism of art than to learn it; on the other hand, little supervised in his studio, he enjoyed great freedom.
After a few years, he found himself able to play the piano quite well and improvise easily on the organs of several churches in Paris, without having done much to achieve this result and being able to read a single lesson of solfeggio.

He had received some harmony lessons from Jacques Widerkehr and, shortly after (1817), entered the Conservatory, where he did not lose his bad habits. Still, finally, thanks to the organization of the school, he lost his indolence.
After following a course in harmony under Antonín Reicha, he began to write arias, duets, and whole scenes, not very remarkable from the point of view of the correctness of the style, but in which there were easy melodies. François-Adrien Boieldieu, who had the opportunity to see these essays, thought he saw the seed of talent in them. He took Adam with him in his composition course, and from this moment, the interest in the studio awakened in the young musician. A singular analogy of spirit and passion for art manifested between the teacher and the disciple, subject to the difference in talent. Both were melodists, and both manifested an inclination toward expressing the sung word and stage intelligence as their dominant quality.

Decorated with the cross of the Legion of Honor, an amiable and witty man, Adam had made many friends that he too knew how to keep when he started his career as a newspaper critic. He also obtained in 1844 the possibility of succeeding Berton at the head of the music section. Still, alongside these acknowledgments, several issues aimed at throwing sadness in his soul.
He did not hide from himself that the successes obtained in the theater were ephemeral because they were based on practical experience rather than inspired. He lacked the distinction and quality of ideas, and he felt that despite having composed fifty-three works and several other compositions, this was not enough for his glory.
This burden may have contributed to hasten his death, which occurred suddenly at the age of 52, with no hint of suffering. That day he had witnessed a singer's debut at the opera, and at ten, he retired to his house. The following day a body was found in his bed.


Giselle is a romantic ballet in two acts from 1841, a fundamental cornerstone of the repertoire of world dance; it summarizes in itself all the stylistic, technical, and expressive elements of classical-romantic ballet.
Giselle was born from the idea of ​​the writer Théophile Gautier and was then set to music in a short time, as soon as the libretto was finished, by Adolphe-Charles Adam, a famous composer of music for opera and ballet. The choreography was entrusted to Jean Coralli; the prima ballerina's steps were taken care of by Jules Perrot.

The ballet consists of two acts: the first concerns the story of Giselle, which culminates in her death; the second act instead concerns the legend of the Villi and Giselle's love for Albrecht, which culminates in the desire to save his life, even if he was the leading cause of her death.

The importance attributed to this classical ballet is mainly due to its musical originality. The ballets performed before Giselle have hardly any made-to-measure elements: many are orchestrated with pieces similar to others or borrowed. The music of this ballet, on the other hand, respects the intention and creativity of the choreographer and author and shows minimal direct similarity with the music of the time. The only short passages not written by Adam are eight bars from a song by Löise Puget and three bars from Carl Maria von Weber's Euryanthe. Giselle is also the first ballet in which the author introduces the leitmotiv specifically as a narrative element.
The ballet has seven main themes: four belong to the people: the reapers, the hunters, the Villi, and Hilarion. Three are less specific: the theme of dance and two leitmotifs of love.

Adam Adolphe-Charles

Autore prolifico di composizioni per l'opera e il balletto, è famoso per i balletti Giselle (1844) e Le Corsaire (1856), le opere Le postillon de Lonjumeau (1836) e Les Toréadors (nota anche con il titolo di Le toréador ou L'accord parfait (1849), nonché la canzone di Natale Minuit chrétiens (1847).
Adolphe-Charles Adam era figlio di Johann Ludwig, professore di pianoforte al Conservatorio di Parigi. Non fu in un primo tempo destinato dai suoi genitori allo studio della musica, ma venne inviato molto giovane in un pensionato di Belleville per cominciare gli studi letterari e per diversi anni frequentò il liceo "Napoleone". In questo periodo frequentò in segreto, contro il volere paterno, l'amico compositore Ferdinand Hérold, apprendendo le basi della musica.

Poco amante dello studio, fece pochi progressi e non andò al di là della quarta classe. Dietro le sue insistenti e reiterate richieste, suo padre acconsentì infine a ritirarlo dal collegio e a concedergli un maestro di musica, a patto che la composizione rimanesse per lui solo un hobby e non una professione. Anche il maestro ebbe a lagnarsi di lui.
Musicista d'istinto, gli sembrava più facile indovinare il meccanismo dell'arte che apprenderlo, d'altronde, poco sorvegliato nel suo studio, godeva di una grande libertà.
In capo a qualche anno si trovò nella condizione di poter suonare abbastanza bene il pianoforte e di improvvisare con facilità sugli organi di più chiese di Parigi, senza aver fatto molto per pervenire a questo risultato e senza essere in grado di leggere speditamente una sola lezione di solfeggio.
Aveva ricevuto qualche lezione di armonia da Jacques Widerkehr e, poco dopo (1817) entrò al Conservatorio, luogo in cui non perse le sue cattive abitudini, ma dove infine, grazie all'organizzazione della scuola, perse la sua indolenza.

Dopo aver seguito un corso di armonia sotto Antonín Reicha, si mise a scrivere arie, duetti, scene intere, poco notevoli dal punto di vista della correttezza dello stile, ma in cui si trovavano delle facili melodie. François-Adrien Boieldieu, che ebbe occasione di vedere questi saggi, credette di scorgervi il germe del talento. Prese Adam con sé nel suo corso di composizione e da questo momento il gusto dello studio si risvegliò nel giovane musicista. C'era, tra il maestro ed il discepolo, una singolare analogia di spirito e di passione per l'arte, fatta salva la differenza di talento. Tutti e due erano melodisti, tutti e due avevano per qualità dominante l'istinto dell'espressione della parola cantata e l'intelligenza scenica.

Decorato con la croce della Legion d'Onore, uomo amabile e di spirito, Adam si era fatto molti amici che seppe conservare anche quando iniziò l'attività di critico per i giornali. Ottenne inoltre nel 1844 di poter succedere a Berton alla guida della sezione di musica, ma non mancavano accanto a questi riconoscimenti, diverse questioni atte a gettare tristezza nel suo animo.
Non nascondeva a sé stesso che i successi ottenuti a teatro erano effimeri perché basati sull'esperienza pratica, piuttosto che ispirati. Mancava loro la distinzione e la qualità delle idee, e sentiva che, pur avendo composto cinquantatré opere e una quantità di altre composizioni, questo non bastava per la sua gloria.
Questo fardello potrebbe aver contribuito ad affrettarne la morte, avvenuta improvvisamente a soli 52 anni, senza alcuna avvisaglia di sofferenza. Quel giorno aveva assistito al debutto di una cantante all'Opera e alle dieci si ritirò a casa sua. Al mattino seguente fu rinvenuto cadavere nel suo letto.


Giselle è un balletto romantico in due atti del 1841; caposaldo fondamentale del repertorio della danza mondiale, riassume in sé tutti gli elementi stilistici, tecnici ed espressivi del balletto classico-romantico.
Giselle nacque dall'idea dello scrittore Théophile Gautier e venne poi musicato, in brevissimo tempo, non appena la stesura del libretto fu terminata, da Adolphe-Charles Adam, celebre compositore di musiche di opere liriche e per balletto. La coreografia fu affidata a Jean Coralli; i passi della prima ballerina furono invece curati da Jules Perrot.

Il balletto è composto da due atti: il primo riguarda la vicenda di Giselle che culmina nella sua morte; il secondo atto invece riguarda la leggenda delle Villi e l'amore di Giselle per Albrecht che culmina nella volontà di salvargli la vita, anche se egli è stato la principale causa della sua morte.

L'importanza attribuita a questo balletto classico è dovuta soprattutto alla sua originalità musicale. I balletti rappresentati prima di Giselle non presentano quasi nessun elemento composto su misura: molti sono orchestrati con brani simili ad altri o addirittura presi in prestito. Le musiche di questo balletto invece sono tessute rispettando l'intenzione e la creatività del coreografo e dell'autore e mostrano ben poche somiglianze dirette con la musica del tempo. Gli unici brevi passaggi non scritti da Adam sono otto battute prese da una canzone di Löise Puget e tre battute tratte dall'Euryanthe di Carl Maria von Weber. Giselle è inoltre il primo balletto in cui l'autore introduce il leit motiv specificatamente come elemento di narrazione.
Ci sono sette temi principali nel balletto: quattro di questo appartengono al popolo: i mietitori, i cacciatori, le Villi e Hilarion. Tre di questi sono meno specifici: il tema della danza e due leit motiv d'amore.

Adam Adolphe-Charles

Als produktiver Autor von Kompositionen für Oper und Ballett ist er berühmt für die Ballette Giselle (1844) und Le Corsaire (1856), die Opern Le postillon de Lonjumeau (1836) und Les Toréadors (auch bekannt als Le toréador ou L'accord parfait) (1849) sowie das Weihnachtslied Minuit chrétiens (1847).

Adolphe-Charles Adam war der Sohn von Johann Ludwig, einem Klavierprofessor am Pariser Konservatorium. Von seinen Eltern zunächst nicht zum Musikstudium bestimmt, wurde er schon sehr jung in eine Pension nach Belleville geschickt, um sein Literaturstudium zu beginnen, und er besuchte mehrere Jahre die "Napoleon"-Oberschule. Während dieser Zeit besuchte er heimlich, gegen den Willen seines Vaters, seinen Komponistenfreund Ferdinand Hérold und lernte die Grundlagen der Musik.

Er lernte wenig, machte wenig Fortschritte und kam nicht über die vierte Klasse hinaus. Hinter seinen eindringlichen und wiederholten Bitten erklärte sich sein Vater schließlich bereit, ihn aus dem Internat zu nehmen und ihm eine Musiklehrerstelle zu gewähren, solange das Komponieren für ihn nur ein Hobby und kein Beruf blieb. Sogar der Lehrer beschwerte sich über ihn.

Als Instinktmusiker schien es ihm leichter, die Mechanismen der Kunst zu erraten als sie zu lernen, andererseits genoss er, wenig überwacht in seinen Studien, große Freiheit.

Nach ein paar Jahren fand er sich in der Lage, ziemlich gut Klavier zu spielen und auf den Orgeln mehrerer Pariser Kirchen problemlos zu improvisieren, ohne viel dafür getan zu haben und ohne auch keine einzige solfeggio Lektion lesen zu können.
Er hatte bei Jacques Widerkehr einigen Harmonieunterricht erhalten und trat kurz darauf (1817) in das Konservatorium ein, einen Ort, an dem er seine schlechten Gewohnheiten nicht ablegte, wo er aber dank der Organisation der Schule schließlich seine Trägheit verlor.

Nachdem er bei Antonín Reicha einen Harmoniekurs besucht hatte, begann er Arien, Duette, ganze Szenen zu schreiben, die vom Standpunkt der Korrektheit des Stils nicht sehr bemerkenswert waren, aber in denen es einfache Melodien gab. François-Adrien Boieldieu, der Gelegenheit hatte, diese Essays zu sehen, glaubte, darin den Samen des Talents zu sehen. Er nahm Adam in seinen Kompositionskurs mit und von diesem Moment an erwachte der Studiogeschmack in dem jungen Musiker. Es gab zwischen dem Lehrer und dem Schüler eine einzigartige Analogie von Geist und Leidenschaft für die Kunst, abhängig von der unterschiedlichen Begabung. Beide waren Melodiker, beide hatten den Instinkt für den Ausdruck des gesungenen Wortes und Bühnenintelligenz als dominierende Eigenschaft.

Mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet, ein liebenswürdiger und geistreicher Mann, hatte Adam viele Freunde gefunden, die er zu bewahren wusste, selbst als er seine Karriere als Zeitungskritiker begann. Er erhielt 1844 auch die Möglichkeit, Berton an der Spitze der Musikabteilung zu folgen, aber neben diesen Auszeichnungen gab es mehrere Probleme, die seine Seele traurig machen konnten.
Er verhehlte sich nicht, dass seine Theatererfolge vergänglich waren, weil sie eher auf praktischer Erfahrung als auf Inspiration beruhten. Es fehlte ihnen an Unterscheidungskraft und Ideenqualität, und sie waren der Meinung, dass dies, obwohl sie dreiundfünfzig Werke und eine Reihe anderer Kompositionen komponiert hatten, für seinen Ruhm nicht ausreichte.
Diese Belastung mag dazu beigetragen haben, seinen Tod zu beschleunigen, der im Alter von 52 Jahren plötzlich und ohne Anzeichen von Leiden eintrat. An diesem Tag hatte er das Debüt eines Sängers in der Oper miterlebt, und um zehn zog er sich nach Hause zurück. Am nächsten Morgen wurde eine Leiche in seinem Bett gefunden.


Giselle ist ein romantisches Ballett in zwei Akten von 1841; Grundpfeiler des Repertoires des Welttanzes, fasst es alle stilistischen, technischen und expressiven Elemente des klassisch-romantischen Balletts in sich zusammen.
Giselle entstand aus der Idee des Schriftstellers Théophile Gautier und wurde dann in kürzester Zeit, sobald das Libretto fertig war, von Adolphe-Charles Adam, dem berühmten Komponisten von Musik für Oper und Ballett, vertont. Die Choreographie wurde Jean Coralli anvertraut; die Schritte der Primaballerina wurden stattdessen von Jules Perrot übernommen.

Das Ballett besteht aus zwei Akten: Der erste betrifft die Geschichte von Giselle, die in ihrem Tod gipfelt; der zweite Akt befasst sich stattdessen mit der Legende von der Liebe der Villi und Giselle zu Albrecht, die in dem Wunsch gipfelt, sein Leben zu retten, auch wenn er die Hauptursache für seinen Tod war.

Die Bedeutung, die diesem klassischen Ballett beigemessen wird, liegt vor allem an seiner musikalischen Originalität. Die Ballette, die vor Giselle aufgeführt wurden, haben kaum maßgeschneiderte Elemente: Viele sind mit ähnlichen Stücken orchestriert oder sogar geliehen. Die Musik dieses Balletts hingegen ist in Anlehnung an die Intention und Kreativität des Choreografen und Autors gewebt und weist nur sehr wenig direkte Ähnlichkeit mit der damaligen Musik auf. Die einzigen kurzen Passagen, die Adam nicht geschrieben hat, sind acht Takte aus einem Lied von Löise Puget und drei Takte aus Carl Maria von Webers Euryanthe. Giselle ist auch das erste Ballett, in dem der Autor das Leitmotiv gezielt als erzählerisches Element einführt.
Es gibt sieben Hauptthemen im Ballett: Vier davon gehören dem Volk: die Schnitter, die Jäger, die Villi und Hilarion. Drei davon sind weniger spezifisch: das Thema Tanz und zwei Leitmotive der Liebe.