Ozean der Sinne von Maria Teresa De Donato:
Ein Roman für alle, die sich neu erfinden.
Herausgegeben von Elisa Rubini.
Es gibt Momente im Leben, in denen Erinnerungen weder
Zuflucht noch Hindernis bieten: Sie werden zu einem stummen Tribunal, das uns
auffordert, zu verstehen, wer wir wirklich geworden sind. „Ozean der Sinne“ von
Maria Teresa De Donato entsteht genau in dieser Lücke, in der die Vergangenheit
nicht länger ein bloßes Archiv ist, sondern eine lebendige Kraft, die das
wiederbeleben kann, was wir für immer beendet hielten.
Die Protagonistin lässt während einer scheinbar
gewöhnlichen Autofahrt ihr Leben nicht Revue passieren: Sie erlebt es neu. Die
Fragmente kehren mit fast körperlicher Dringlichkeit zurück, fünfzig Jahre
verwoben zu einem einzigen Erzählfaden, der keine Ruhe lässt. Doch was
auffällt, ist nicht die Erinnerung selbst, sondern der Wunsch zu verstehen.
Nach einer Reihe emotionaler Schocks und plötzlicher Veränderungen stellt die
Frau ihre eigenen Entscheidungen, ihre Versäumnisse und sogar ihre
verborgensten Wünsche auf den Prüfstand.
Die dabei zum Vorschein kommende Erotik ist kein bloßes
Beiwerk. Es ist nicht einmal Obszönität, die sich als „Literatur“ tarnt. Es ist
die authentischste Spur einer Seele, die versucht, wieder zu fühlen. Eine
Sinnlichkeit, die nicht den Körper betrifft, sondern das Erwachen des
Bewusstseins. Es ist Eros als Sprache der Rückkehr zu sich selbst, als Kraft,
die das Zerbrochene wieder heilt.
In diesem Sinne wird „Ozean der Sinne“ zu einer kostbaren
Lektüre für alle, die sich im Wandel befinden. Kein Roman zum Verschlingen,
sondern einer, der begleitet, der einen Seite für Seite atmen lässt, der eine
einfache und zugleich ungemein schwierige Wahrheit offenbart: Jede Wiedergeburt
entsteht durch den Mut, zurückzublicken, ohne wegzulaufen.
Maria Teresa De Donato erzählt eine Geschichte, die nicht
tröstet, nicht beschönigt, nicht versüßt. Sie lädt ein. Und in ihrer
Erzählstimme spüren wir die Dringlichkeit zu sagen, dass das Leben, selbst wenn
es erschöpft scheint, immer noch eine unerwartete Überraschung bereithält. Ein
Tor, das sich öffnet, wenn wir es am wenigsten erwarten, genau in dem Moment,
in dem wir aufgehört haben, auf etwas zu warten.
„Ozean der Sinne“ ist dieses Tor.
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