SEID ERNST! (STELLT EUCH DER REALITÄT!)
Menschliche und familiäre Beziehungen: Ein Neuanfang in der Kindheit
von
Maria Teresa De Donato**
In einem Zeitalter, das von Technologie, hektischem Tempo und
ständiger Vernetzung geprägt ist, scheint kein Platz mehr für authentische
menschliche Beziehungen und direkten Kontakt zu sein. Doch gerade
das Fehlen dieser Elemente führt zu einer Reihe immer deutlicher werdender
sozialer Folgen.
Die Kriminalnachrichten – die uns täglich überfluten – belegen, dass
sich hinter Fällen von Mobbing, Jugendkriminalität und sogar Mord oft
eine schmerzhafte Wahrheit verbirgt: Eltern und Kinder kommunizieren nicht
mehr miteinander. Familien sind nicht mehr der Mittelpunkt der Erziehung,
der sie einst waren; die Bindung hat sich so sehr geschwächt, dass sie fast
vollständig zerbrochen ist.
Viele Eltern sind abwesend, distanziert und unfähig, ihren Kindern
Orientierung zu geben. Wenn ihre Kinder schwere Straftaten begehen, sagen diese
Erwachsenen Dinge wie: „Wir wussten nichts“, „Wir haben es nicht bemerkt“, „Wir
hätten es nie geglaubt …“ Worte, die angesichts des
Leids der Opfer hohl klingen.
Dabei sind Eltern für die Erziehung ihrer Kinder bis zum
Erwachsenenalter verantwortlich. Ihnen „freie Bahn“ zu lassen bedeutet
nicht, ihnen Freiheit zu gewähren, sondern ihre Verantwortung aufzugeben. Erziehung
erfordert Präsenz, Achtsamkeit und Vorbildfunktion.
Kinder wachsen schon früh mit dem Handy in der Hand auf und ahmen
allzu oft das Verhalten ihrer Eltern nach, die ebenfalls ständig in Bildschirme
vertieft sind. Selbst die Mahlzeiten, einst eine Zeit des gemeinsamen Essens,
sind heute von Stille geprägt, die nur von Benachrichtigungen unterbrochen
wird. Eine Familie, wiedervereint und doch getrennt.
Viele Kinder suchen daher online Unterstützung und verlassen sich
auf unbekannte, oft minderjährige, unerfahrene und unvorbereitete Follower. Ein
schmerzhafter Widerspruch: Da sie sich nicht auf ihre Eltern verlassen können,
wenden sie sich digital an Fremde. Und die Eltern sind wieder einmal präsent
und doch abwesend.
Zerbrochene Familien, einsame Kinder
Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten beobachten diese
Zerrissenheit täglich. Schon vor der Öffnung der Kita – um 6:30 Uhr – bringen
Eltern ihre Kinder dorthin, um zur Arbeit zu eilen. Mittagessen, Snacks,
Nachmittage: Alles findet in der Kita statt.
Erst zwischen 16:30 und 18:30 Uhr werden die Kinder von einem Erwachsenen
abgeholt. Zuhause reicht die Zeit gerade so für ein Bad, ein schnelles
Abendessen und ab ins Bett.
Aber wie viel Zeit verbringen Eltern wirklich mit ihren
Kindern? Wie viel investieren sie in Beziehung, Zuhören und Zuneigung?
Es geht nicht nur um Quantität, sondern vor allem um Qualität.
Eine Warnung aus der Geschichte
Das Römische Reich, die wohl außergewöhnlichste Zivilisation der
Geschichte, fiel nicht dem Feind zum Opfer: Es zerstörte sich selbst aufgrund des
moralischen Verfalls und des Zerfalls der Familie.
Wenn die Familie zerbricht, zerfällt die Gesellschaft.
Eine gesunde Gemeinschaft entsteht aus gesunden, einigten Familien,
die Liebe, Bildung und Stabilität bieten können.
Bei den Kindern anfangen
Es ist wichtig, hier anzusetzen: bei der Bildung, bei der bewussten
Zeit mit den Kindern, bei der emotionalen Präsenz. Sprechen wir mit
unseren Kindern, spielen wir mit ihnen, lesen wir gemeinsam, erzählen wir
Geschichten und warum nicht: Lassen wir sie malen, fördern wir ihre Kreativität
und bringen wir ihnen die Grundlagen des Lesens und Schreibens bei.
Kinder verlangen nicht viel. Nur Liebe, Aufmerksamkeit und ein offenes
Ohr.
Und wenn sie all das erhalten, wird die Veränderung sichtbar. Ja, das ist
sie.

.jpg)