Faszinierende Welt
CHINA: Am Tisch in Hainan mit Fiori Picco
Sinologin,
Autorin, Verlegerin
Interview
von Maria Teresa De Donato
Liebe Freunde,
heute freue ich mich sehr, meine Kollegin und Freundin
Fiori Picco, Sinologin, Autorin und Lektorin, die schon mehrmals bei mir zu
Gast war, erneut vorzustellen. In der Vergangenheit haben Fiori und ich Interviews – sowohl schriftlich als auch per Video – geführt, um
ihre in China, insbesondere in Yunnan, spielenden Romane zu präsentieren, wo
sie acht Jahre lang lebte und arbeitete.
Dieses Mal sprechen wir jedoch über die chinesische Küche
und unseren Umzug nach Hainan.
Fiori und ich wünschen Euch viel Vergnügen beim Lesen!
MTDD:
Hallo Fiori und herzlich willkommen zurück in meinem virtuellen Kultursalon.
FP:
Hallo Maria Teresa, vielen Dank für die Einladung. Es freut mich sehr, Dein
Gast zu sein.
MTDD:
Fiori, wie bereits erwähnt, sprechen wir heute nicht über Romane, sondern über
die chinesische Küche. Vor vielen Jahren, als ich noch in Italien lebte,
freundete ich mich mit einer Familie aus Shanghai an, deren Eltern beide Köche
waren. Ich war mehrmals zum Mittag- oder Abendessen bei ihnen zu Hause
eingeladen, und einmal erklärten sie mir, dass das, was wir im chinesischen
Restaurant aßen, eigentlich nicht „chinesisch“ war, sondern eher eine an den
italienischen Geschmack angepasste Küche. Der Grund dafür war, dass hätte man
in den Restaurants authentische chinesische Küche angeboten, da es bestimmte Speisen und vor allem
bestimmte Geschmacksrichtungen nicht gewohnt ist – hätte das italienische
Publikum diese nicht geschätzt.
Hast Du diese Unterschiede bemerkt, da Du viele Jahre in
China gelebt hast?
FP: Ja,
das stimmt. Die chinesische Küche, die wir in Italien kennen, ist an unseren
Geschmack angepasst und daher eher begrenzt, während die ursprüngliche
chinesische Küche sehr vielfältig ist und je nach Region und Provinz variiert.
MTDD: Aus
Zeitgründen können wir natürlich nicht die typischen Gerichte jeder Stadt oder
jedes Dorfes vorstellen. Kannst Du uns einige Beispiele nennen und China
vielleicht in verschiedene Regionen unterteilen?
FP: Wir
können China in verschiedene Regionen mit unterschiedlichen Küchen und
gastronomischen Traditionen unterteilen.
Im Südwesten, zu dem Yunnan, Hunan und Sichuan gehören, findet man extrem
scharfe Gerichte mit reichlich Chilischoten.
In einem meiner Bücher beschreibe ich die Suppen als
„vulkanisches Magma“, da sie tiefrot sind und man die Chilischoten an der
Oberfläche schwimmen sieht.
Dann gibt es die Kanton-Region in der Provinz
Guangdong, deren Küche reich an Schalentieren, Meeresfrüchten und
Süßspeisen ist.
Weiter östlich, in den Städten Shanghai,
Hangzhou und Suzhou, ist die Küche süß-sauer, mit Saucen auf Zucker- und
Essigbasis.
Und schließlich gibt es die kaiserliche Küche Pekings,
berühmt für ihre glasierte Ente, Rindfleischstreifen mit Pekingsauce und den
Acht-Schätze-Reiskuchen, der von Kaiserin Cixi sehr geliebt wurde.
Zu jeder Mahlzeit wird heißer Tee serviert, darunter
roter, grüner, Chrysanthemen-, Acht-Schätze- oder Klebreis-Tee.
MTDD:
Wirklich interessant. Vielen Dank für diese Informationen.
FP:
Teilen macht Freude.
MTDD:
Fiori, in Deinem Roman „YAO“ erwähnst Du Heuschrecken als
eines der häufigsten Nahrungsmittel sowohl der gleichnamigen ethnischen Gruppe
als auch ihres Protagonisten.
Was kannst Du uns darüber erzählen?
FP: In
„YAO“ sind Heuschrecken das Leitmotiv des Romans. Sie symbolisieren die
verschiedenen Lebensabschnitte des Protagonisten Yang Sen: seine Kindheit im
Dorf Drachenschwanz, seine Zuneigung zu seinem kranken Vater, die Entdeckung
der Liebe, seine Ankunft in Kunming, seine Träume und schließlich sein
erkanntes Talent. Gebratene Heuschrecken sind ein typisches Gericht vieler
ethnischer Gruppen in Yunnan.
MTDD: Darf ich fragen, ob Du sie schon einmal gegessen hast?
Und wenn ja, wie schmecken sie?
FP: Ja,
ich habe sie probiert. Sie sind knusprig. Ich persönlich bevorzuge
Heuschrecken, weil sie süßer sind. In Yunnan werden verschiedene Insekten zum
Kochen und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Darunter
befindet sich Raupengras, eine Pflanze, die die Raupenlarve umhüllt, bis sie
mit ihr verschmilzt. Restaurants bieten diese Insekten als Delikatesse an.
In der Pharmakologie werden sie mit anderen Wirbellosen,
Kräutern, Wurzeln und Pilzen kombiniert.
MTDD: Die
traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist nach Ayurveda das älteste
Medizinsystem und ebenfalls tausende Jahre alt. Viele der Zutaten zur
Herstellung von Heilmitteln werden auch für homöopathische Produkte verwendet,
die ebenso wirksam sind.
Wollen wir mit einem typischen Gericht von der Insel
Hainan, die wir letztes Mal erwähnt haben, abschließen? Und wenn ja, welches
Rezept schlägst Du vor?
FP:
Sehr gerne. Ich schlage das Rezept für Hainan-Kokos-Hühnchen vor.
Für die Zubereitung benötigt Ihr Folgendes:
Zutaten:
Für das Huhn:
Kokosmilch und -fleisch; ein Huhn; Wasserkastanien oder
Rüben; frischer Ingwer; chinesische Datteln; Gojibeeren; Salz nach Geschmack.
Für die Soße:
Knoblauch; Frühlingszwiebeln; Petersilie; frische
Chilischote; Limette; Zucker; helle Sojasauce; Fischsauce.
Die Kokosmilch in einen Tontopf geben. Das Kokosfleisch
in Streifen schneiden. Die Wasserkastanien oder alternativ eine Rübe in
Scheiben schneiden. Das Hähnchenfleisch in kleine Stücke schneiden, abspülen
und zusammen mit dem zerkleinerten Fleisch, den Rübenscheiben und dem frischen
Ingwer in Scheiben in den Tontopf geben. Zugedeckt aufkochen lassen. Überschüssiges
Schaum abschöpfen und 30 Minuten köcheln lassen. Nach einer halben Stunde die
chinesischen roten Datteln und Gojibeeren hinzufügen. Zugedeckt weitere 10
Minuten köcheln lassen. Am Ende mit Salz abschmecken.
In der Zwischenzeit kleine Schüsseln entsprechend der
Anzahl der Portionen vorbereiten. In jede Schüssel die gehackten
Frühlingszwiebeln und den Knoblauch, die gewürfelte frische Chilischote und die
gehackte Petersilie geben. Einige Tropfen Limettensaft darüberträufeln. Einen
Teelöffel Zucker, helle Sojasauce und optional Fischsauce hinzufügen. Sobald
das Hähnchen gar ist, die Stücke in die Sauce dippen.
MTDD:
Vielen Dank, Fiori, für diesen faszinierenden Überblick über die chinesische
Küche und für dieses Rezept, das sicher viele Leserinnen und Leser zu schätzen
wissen und ausprobieren werden.
Ich freue mich darauf, Dich in Zukunft wiederzusehen, um
gemeinsam dieses großartige und traditionsreiche Land weiter zu entdecken, über
das wir Westler tatsächlich noch immer sehr wenig wissen.
FP:
Vielen Dank, Maria Teresa, für die Einladung. Es ist mir eine Freude, weiterhin
in Deiner Kolumne „Faszinierende Welt“ mitzuwirken und Deine Erfahrungen und Dein Wissen mit
unseren Leserinnen und Lesern zu teilen.
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