GET REAL!
(Seid realistisch!)
Ein Blick ins „Fast Fashion“ Buch
Brainstorming
mit Maria Teresa De Donato und Elisa Rubini
Heute möchten meine Kollegin Elisa Rubini und ich ein Thema ansprechen, das uns schon länger beschäftigt: das Fast-Fashion-Buch. Wir werden einige Aspekte und deren Auswirkungen beleuchten, die unsere Meinung dazu beeinflussen können, und die Gründe dafür erläutern.
MTDD: Elisa, kommen wir gleich zur Sache. Was hältst Du
vom Fast-Fashion-Buch?
ER: Das Fast-Fashion-Buch macht mich wütend, weil es Wörter wie Abfall behandelt, etwa Plastikteile, die hastig zusammengenäht und auf den Markt geworfen werden.
MTDD: Da stimme ich Dir zu. Möchtest Du diesen Gedanken
aber noch etwas genauer erläutern und unseren Lesern erklären, warum wir diese
Ansicht vertreten?
ER: Gern. Im Fast-Fashion-Buch steckt keine Liebe, kein Zuhören, kein echtes Leben. Nur blindes Drängen auf Veröffentlichung, Füllmaterial und Marktsättigung. Und währenddessen wird das Schreiben – das wahre Schreiben, jenes, das entsteht, wenn einen etwas quält und Raum verlangt – erstickt. Es ist, als würde man zusehen, wie eine blühende Wiese zu einem Parkplatz wird: alles plattgedrückt, alles gleichförmig, alles nutzlos.
MTDD: Leider
leben wir seit Jahrzehnten in einer Gesellschaft, in der alles zur Ware
geworden ist und oft sogar wertlos, substanzlos ist. Millionen von Menschen
konkurrieren im sogenannten „Hamsterrad“, einem unerbittlichen Streben
nach Erfolg, ungeachtet des Ziels. Es ist traurig zu sehen, wie diese Realität
auf das Schreiben angewendet wird, das in seiner edelsten und authentischsten
Form nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern vor allem eine Kunstform sein
sollte.
ER: Genau. Das Problem ist nicht, dass diese Bücher schlecht sind. Es ist so, dass sie nicht existieren. Sie sind leere Hüllen, Worte, die ohne Seele zusammengenäht sind, die sie am Leben hält. Und wenn man ein solches Buch aufschlägt, spürt man es sofort: Es entgleitet einem, berührt einen nicht, hinterlässt keine Spur. Es ist Zeitverschwendung und bringt nichts zurück. Es ist eine falsche Umarmung, eine Liebkosung ohne Hände. Und ich empfinde das als gewalttätig, denn Lesen sollte nähren, nicht verzehren. Es sollte öffnen, nicht leeren.
MTDD: Ich
persönlich fühle mich Lichtjahre von diesen Mechanismen entfernt, die ich zwar
erkenne, mich aber bewusst distanziere. Ich glaube, dass ein wahrer Künstler
und damit auch ein Autor, der Leser mit seinen Veröffentlichungen inspirieren
und ihr Leben prägen möchte, sich von bestimmten „geschäftlichen“ Ansichten
fernhalten sollte.
ER: Da stimme ich vollkommen zu. Tatsächlich richtet dieser „Trend“ den größten Schaden den Schreibenden an. Denn schnelllebige Bücher lehren einen, sich selbst nicht zu achten. Sie sagen einem: Es hat keinen Sinn zu denken, keinen Sinn zuzuhören, keinen Sinn zu graben, Hauptsache, man produziert. Es spielt keine Rolle, ob man dabei ist oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob es einen nicht repräsentiert. Hauptsache, man ist schnell dabei. Es ist die heimtückischste Falle: Sie verleitet dazu, sich selbst zu verraten, die eigene kreative Wahrheit zu ignorieren und Werke zu veröffentlichen, die einem nicht gehören, nur um nicht in Vergessenheit zu geraten. Und wenn ein Autor gefühllos schreibt, verblasst er langsam. Er leert sich selbst. Er zerfällt Seite für Seite.
MTDD: Welchen Rat können wir also Freunden,
Schriftstellerkollegen und Lesern geben, damit sie nicht in diese Falle tappen?
ER: Ich rate euch beiden zu großer Vorsicht, und zwar aus folgenden Gründen:
- Ø Die Wahl eurer Schreibthemen ist ein Akt des emotionalen
Überlebens. Es ist der Moment, in dem ihr euch hinsetzt und sagt: Nein, Moment,
diese Geschichte muss durch mein Herz gehen, nicht durch einen zufälligen
Ideengenerator. Genau da findet ihr eure Stimme wieder. Die Stimme, die
vielleicht nicht jedem gefällt, aber die von euch spricht, eure Last, eure
Zerbrechlichkeit, eure Wut, eure Zärtlichkeit trägt. Die Wahl ist keine bloße
Formalität: Sie ist pure Identität.
- Ø Die Wahl eurer Lesethemen ist ein Liebesbekenntnis zu
euch selbst. Denn die Bücher, die ihr wählt, prägen euch, verändern euren Atem,
begleiten euch an Tagen, an denen ihr euch wertlos fühlt. Ihr habt es nicht
verdient, euch mit totem Papier, blutleeren Geschichten und Worten zu füllen,
die nur um ihrer selbst willen hineingeworfen wurden. Du verdienst Seiten, die
dich packen und in ihren Bann ziehen. Du verdienst Sätze, die tief berühren. Du
verdienst Gefühle, die dich auch nach dem Zuklappen des Buches noch begleiten.
Ein Buch vom Fließband bedeutet Kapitulation. Sich bewusst für ein Buch zu
entscheiden, bedeutet Widerstand. Es bedeutet: Ich will etwas, das mich
widerspiegelt, das mich anspricht, das mich verändert. Es bedeutet, Tiefe zu
fordern in einer Welt, die nur Schnelligkeit bietet. Es ist der einzige Weg,
Mensch zu bleiben, während alles um dich herum flacher wird und seinen Reiz
verliert.
Das sehe ich, wenn ich mir diesen Markt voller Wegwerfbücher ansehe: Ich sehe Menschen, die so viel mehr verdient haben. Autoren, die glänzen könnten, aber stattdessen von der Eile verschlungen werden. Leser, die gewaltige Geschichten erleben könnten, aber stattdessen im Lärm untergehen.
Und es schmerzt mich, denn Schreiben ist etwas Heiliges, und Lesen ist
etwas Intimes.
Kein Produkt, das man nach zwanzig Minuten wegwirft.
Deshalb ist es so wichtig, sich zu entscheiden.
Um die Schönheit zu verteidigen.
Um die Wahrheit zu verteidigen.
Zur Selbstverteidigung.
MTDD: Vielen
Dank, Elisa, für diese ausführliche Analyse. Ich freue mich darauf, Dich bald
wiederzusehen, um weitere Themen zu besprechen, die hoffentlich ebenso
interessant und hilfreich für unsere Leser sein werden.
ER: Vielen Dank, Maria Teresa. Bis zum nächsten Mal!
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